Punkt-biseriale Korrelation#
Die punkt-biseriale Korrelation ist ein Spezialfall der Pearson-Korrelation und quantifiziert den linearen Zusammenhang zwischen einer dichotomen (binären) Variable und einer kontinuierlichen Variable. Sie wird häufig eingesetzt, wenn eine natürliche Gruppierung (z. B. Geschlecht, Bestanden/Nicht bestanden) mit einem metrischen Merkmal in Beziehung gesetzt werden soll. Mathematisch ist sie identisch mit der Pearson-Korrelation, wenn die dichotome Variable mit 0 und 1 kodiert wird.
Wann verwenden?#
- Eine Variable ist dichotom (genau zwei Kategorien, z. B. ja/nein, männlich/weiblich)
- Die andere Variable ist metrisch (intervall- oder ratioskaliert)
- Du möchtest die Stärke und Richtung des Zusammenhangs zwischen beiden Variablen bestimmen
- Die Beobachtungen sind voneinander unabhängig
- Als Alternative zum t-Test, wenn du ein Zusammenhangsmaß statt eines Gruppenunterschieds berichten möchtest
Voraussetzungen#
- Dichotome Variable mit genau zwei Ausprägungen (0/1-kodiert)
- Kontinuierliche Variable annähernd normalverteilt in beiden Gruppen
- Unabhängige Beobachtungen (keine Messwiederholung)
- Homogenität der Varianzen in beiden Gruppen (wünschenswert)
Formel#
Die punkt-biseriale Korrelation lässt sich direkt über die Gruppenstatistiken berechnen:
Dabei ist der Mittelwert der Gruppe 1, der Mittelwert der Gruppe 0, die Standardabweichung aller Werte, und die Gruppengrößen und die Gesamtstichprobe.
Alternativ kann einfach die Pearson-Korrelation zwischen der 0/1-kodierten dichotomen Variable und der kontinuierlichen Variable berechnet werden — das Ergebnis ist identisch:
Beispiel#
Praxisbeispiel: Geschlecht und Reaktionszeit
In einem psychologischen Experiment wird untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen dem Geschlecht (männlich = 0, weiblich = 1) und der Reaktionszeit (in Millisekunden) besteht.
Daten (n = 10):
- Männlich (0): 320, 345, 310, 298, 330 ms → ms
- Weiblich (1): 290, 275, 305, 280, 295 ms → ms
Berechnung:
- Gesamtmittelwert: ms
- Standardabweichung: ms
- , ,
Interpretation: Es besteht ein starker negativer Zusammenhang (). Weibliche Teilnehmerinnen zeigen im Mittel kürzere Reaktionszeiten als männliche Teilnehmer.
Effektstärke#
Der punkt-biseriale Korrelationskoeffizient ist selbst bereits ein Effektstärkemaß und liegt auf derselben Skala wie Pearsons :
| | Interpretation | |---|---| | 0.10 | Kleiner Effekt | | 0.30 | Mittlerer Effekt | | 0.50 | Großer Effekt |
Die Konventionen entsprechen denen von Cohen (1988). Zusätzlich lässt sich das Bestimmtheitsmaß berechnen, das den Anteil der erklärten Varianz angibt.
Weiterführende Literatur
- Cohen, J. (1988). Statistical Power Analysis for the Behavioral Sciences (2. Aufl.). Lawrence Erlbaum Associates.
- Bortz, J. & Schuster, C. (2010). Statistik für Human- und Sozialwissenschaftler (7. Aufl.). Springer.
- Field, A. (2018). Discovering Statistics Using IBM SPSS Statistics (5. Aufl.). SAGE Publications.