Mixed ANOVA (Gemischte Varianzanalyse)#
Die Mixed ANOVA ist das Verfahren der Wahl, wenn dein Design sowohl einen Zwischen-Subjekt-Faktor (z. B. Gruppenzugehörigkeit) als auch einen Innersubjekt-Faktor (z. B. wiederholte Messungen über die Zeit) enthält. Man spricht auch von einem Split-Plot-Design. Sie liefert dir drei zentrale Ergebnisse: den Haupteffekt jedes Faktors und deren Wechselwirkung.
Wann verwenden?#
- Du hast zwei oder mehr Gruppen (Zwischen-Subjekt-Faktor), die zu mehreren Zeitpunkten gemessen werden (Innersubjekt-Faktor)
- Dein Studiendesign ist ein klassisches Prä-Post-Design mit Kontrollgruppe oder ein Längsschnitt mit Gruppenvergleich
- Du willst nicht nur wissen, ob sich die Gruppen unterscheiden oder ob sich die Werte über die Zeit ändern, sondern ob sich die Veränderung zwischen den Gruppen unterscheidet (Interaktion)
- Deine abhängige Variable ist metrisch (intervall- oder ratioskaliert)
- Du hast vollständige Daten — bei fehlenden Werten sind gemischte Modelle (LMM) besser geeignet
Voraussetzungen#
- Normalverteilung in jeder Zelle (Gruppe Ă— Zeitpunkt)
- Sphärizität des Innersubjektfaktors (Mauchly-Test)
- Varianzhomogenität zwischen den Gruppen (Levene-Test)
- Homogenität der Kovarianzmatrizen (Box-M-Test)
Hinweis: Wird die Sphärizität verletzt, korrigiere die Freiheitsgrade mit Greenhouse-Geisser (konservativ) oder Huynh-Feldt (liberal). Ist Box-M signifikant, interpretiere die Zwischen-Subjekt-Effekte mit Vorsicht.
Formel#
Die Mixed ANOVA berechnet drei separate F-Tests:
Haupteffekt des Zwischen-Subjekt-Faktors:
Haupteffekt des Innersubjekt-Faktors:
Wechselwirkung (Interaktion):
Jeder F-Wert wird mit der entsprechenden F-Verteilung verglichen, wobei die Freiheitsgrade von der Anzahl der Gruppen und Messzeitpunkte abhängen.
Beispiel#
Praxisbeispiel: Schmerztherapie ĂĽber die Zeit
Eine Klinik vergleicht ein neues Medikament mit Placebo. 40 Patienten werden zufällig auf zwei Gruppen aufgeteilt (Zwischen-Subjekt-Faktor: Medikament vs. Placebo). Jeder Patient bewertet seine Schmerzen auf einer Skala von 0–10 zu drei Zeitpunkten: Baseline, nach 2 Wochen und nach 4 Wochen (Innersubjekt-Faktor: Zeit).
Ergebnisse:
- Haupteffekt Gruppe: , — die Medikamentengruppe hat insgesamt niedrigere Schmerzwerte
- Haupteffekt Zeit: , — die Schmerzen verändern sich über die Zeit
- Interaktion Gruppe × Zeit: , — der entscheidende Befund: die Schmerzreduktion ist in der Medikamentengruppe stärker als unter Placebo
Effektstärke#
FĂĽr jeden Effekt wird das partielle Eta-Quadrat () berichtet:
| Interpretation | |
|---|---|
| 0.01 | kleiner Effekt |
| 0.06 | mittlerer Effekt |
| 0.14 | groĂźer Effekt |
Tipp: Berichte für jeden der drei Effekte separat. Der Interaktionseffekt ist oft der spannendste — er zeigt, ob sich die Gruppen unterschiedlich über die Zeit entwickeln.
WeiterfĂĽhrende Literatur
- Field, A. (2018). Discovering Statistics Using IBM SPSS Statistics (5th ed.). Sage.
- Maxwell, S. E., Delaney, H. D., & Kelley, K. (2017). Designing Experiments and Analyzing Data (3rd ed.). Routledge.
- Rasch, B., Friese, M., Hofmann, W. & Naumann, E. (2021). Quantitative Methoden (5. Aufl.). Springer.