Cochran-Q-Test#
Der Cochran-Q-Test ist die Erweiterung des McNemar-Tests auf drei oder mehr verbundene Stichproben mit einer binären abhängigen Variable (ja/nein, bestanden/nicht bestanden, richtig/falsch). Wenn du wissen willst, ob sich die Erfolgsrate derselben Personen über mehrere Bedingungen hinweg unterscheidet, ist Cochran Q dein Test.
Wann verwenden?#
- Du hast drei oder mehr Bedingungen und die gleichen Personen werden unter jeder Bedingung gemessen
- Deine abhängige Variable ist binär (0/1, ja/nein, bestanden/durchgefallen)
- Du willst testen, ob die Anteile (z. B. Bestehensquoten) sich zwischen den Bedingungen unterscheiden
- Du hast ein Messwiederholungsdesign mit kategorialen Daten — Cochran Q ist das nichtparametrische Gegenstück zur RM-ANOVA für binäre Outcomes
- Bei nur zwei Bedingungen verwende stattdessen den McNemar-Test
Voraussetzungen#
- Binäre (dichotome) abhängige Variable (0 oder 1)
- Verbundene Stichproben — dieselben Personen unter allen Bedingungen
- Ausreichend große Stichprobe (Faustregel: n × k ≥ 24)
Hinweis: Cochran Q ist ein Omnibus-Test — er sagt dir nur, dass sich mindestens eine Bedingung unterscheidet, aber nicht welche. Für paarweise Vergleiche verwendest du Post-hoc McNemar-Tests mit Bonferroni-Korrektur.
Formel#
Die Teststatistik Q folgt approximativ einer Chi-Quadrat-Verteilung mit Freiheitsgraden:
Dabei ist:
- = Anzahl der Bedingungen
- = Summe der Erfolge in Bedingung
- = Mittelwert der Spaltensummen
- = Zeilensumme (Anzahl Erfolge) für Person
Beispiel#
Praxisbeispiel: Prüfungserfolg in drei Fächern
50 Studierende legen drei Prüfungen ab (Statistik, Methodenlehre, Diagnostik). Für jede Prüfung wird erfasst, ob sie bestanden haben (1) oder nicht (0).
| Statistik | Methodenlehre | Diagnostik | |
|---|---|---|---|
| Bestanden | 38 | 42 | 30 |
| Nicht bestanden | 12 | 8 | 20 |
Berechnung: , ,
Interpretation: Die Bestehensquoten unterscheiden sich signifikant zwischen den drei Prüfungen. Post-hoc-Tests (McNemar mit Bonferroni) zeigen, dass Diagnostik eine signifikant niedrigere Bestehensquote hat als Methodenlehre ().
Effektstärke#
Als Effektstärke kann der Cochran-Q-Koeffizient berichtet werden, der den Q-Wert normiert:
Dieser Wert liegt zwischen 0 und 1. Alternativ lässt sich Serlin's S verwenden, das den Anteil des maximal möglichen Q-Werts angibt.
| Wert | Interpretation |
|---|---|
| 0.01–0.05 | kleiner Effekt |
| 0.06–0.15 | mittlerer Effekt |
| > 0.15 | großer Effekt |
Tipp: Bei signifikantem Ergebnis immer Post-hoc-Tests durchführen. Ohne sie weißt du nicht, welche Bedingungen sich unterscheiden.
Weiterführende Literatur
- Sheskin, D. J. (2011). Handbook of Parametric and Nonparametric Statistical Procedures (5th ed.). Chapman & Hall/CRC.
- Bortz, J. & Lienert, G. A. (2008). Kurzgefasste Statistik für die klinische Forschung (3. Aufl.). Springer.
- Siegel, S. & Castellan, N. J. (1988). Nonparametric Statistics for the Behavioral Sciences (2nd ed.). McGraw-Hill.