McNemar-Test#
Der McNemar-Test prüft, ob sich die Verteilung einer dichotomen Variable (z. B. ja/nein) zwischen zwei verbundenen Messungen signifikant verändert hat. Er wird häufig für Vorher-Nachher-Vergleiche mit binären Daten eingesetzt.
Wann verwenden?#
Verwende den McNemar-Test, wenn du:
- Gepaarte binäre Daten vergleichen möchtest (z. B. derselbe Proband zu zwei Zeitpunkten)
- Prüfen möchtest, ob eine Veränderung in der Häufigkeit eines binären Merkmals stattgefunden hat
- Eine 2×2-Kontingenztafel mit verbundenen Stichproben vorliegt
Voraussetzungen#
- Die Daten sind gepaart (z. B. Vorher-Nachher am selben Probanden)
- Die abhängige Variable ist binär (dichotom)
- Die Beobachtungspaare sind voneinander unabhängig
- Ausreichende Anzahl diskordanter Paare (b + c ≥ 25 für die Normalapproximation)
Formel#
Grundlage ist die 2×2-Kontingenztafel der gepaarten Beobachtungen:
| Nachher: Ja | Nachher: Nein | |
|---|---|---|
| Vorher: Ja | a | b |
| Vorher: Nein | c | d |
Die Teststatistik basiert nur auf den diskordanten Paaren (b und c):
mit 1 Freiheitsgrad.
Für kleine Stichproben (b + c < 25) wird die Kontinuitätskorrektur nach Edwards empfohlen:
Beispiel#
Praxisbeispiel: Wirksamkeit einer Kampagne
Ein Unternehmen möchte wissen, ob eine Werbekampagne die Kaufabsicht verändert hat. 200 Personen werden vor und nach der Kampagne befragt (Kaufabsicht: ja/nein).
| Nachher: Ja | Nachher: Nein | |
|---|---|---|
| Vorher: Ja | 80 | 10 |
| Vorher: Nein | 30 | 80 |
- Diskordante Paare: b = 10, c = 30
- p < 0.01 (signifikant)
Interpretation: Die Kampagne hat zu einer signifikanten Veränderung der Kaufabsicht geführt. Mehr Personen wechselten von "Nein" zu "Ja" (30) als umgekehrt (10).
Effektstärke#
Die Effektstärke wird über die Odds Ratio der diskordanten Paare berechnet:
Alternativ kann der Phi-Koeffizient oder Cohens g verwendet werden:
| Effektstärke | Cohens g |
|---|---|
| Klein | 0.05 |
| Mittel | 0.15 |
| Groß | 0.25 |
Hinweis: Der McNemar-Test betrachtet nur die diskordanten Paare (b und c). Die konkordanten Paare (a und d) gehen nicht in die Teststatistik ein.
Weiterführende Literatur
- McNemar, Q. (1947). Note on the sampling error of the difference between correlated proportions or percentages. Psychometrika, 12(2), 153–157.
- Field, A. (2018). Discovering Statistics Using IBM SPSS Statistics (5. Aufl.). SAGE.