Mann-Whitney-U-Test#
Der Mann-Whitney-U-Test (auch: Wilcoxon-Rangsummentest) ist ein nichtparametrischer Test zum Vergleich zweier unabhängiger Gruppen. Er prüft, ob die Verteilungen beider Gruppen sich systematisch unterscheiden, und ist die nichtparametrische Alternative zum t-Test für unabhängige Stichproben.
Wann verwenden?#
Verwende den Mann-Whitney-U-Test, wenn du:
- Zwei unabhängige Gruppen vergleichen möchtest
- Die abhängige Variable mindestens ordinal skaliert ist
- Die Normalverteilungsannahme des t-Tests verletzt ist
- Die Stichprobe klein ist und die Verteilungsform unklar ist
Der Test basiert auf Rängen statt auf den Rohwerten und setzt daher keine bestimmte Verteilungsform voraus.
Voraussetzungen#
- Unabhängigkeit der Beobachtungen (sowohl zwischen als auch innerhalb der Gruppen)
- Mindestens ordinales Skalenniveau der abhängigen Variable
- Ähnliche Verteilungsform in beiden Gruppen (für Interpretation als Medianvergleich)
- Die Variable ist zumindest stetig genug, sodass Bindungen (Ties) selten sind
Hinweis: Streng genommen testet der Mann-Whitney-U-Test, ob ein zufällig gewählter Wert aus Gruppe 1 mit gleicher Wahrscheinlichkeit größer oder kleiner ist als ein zufällig gewählter Wert aus Gruppe 2. Nur bei ähnlicher Verteilungsform kann er als Medianvergleich interpretiert werden.
Formel#
Die U-Statistik wird für beide Gruppen berechnet. Zunächst werden alle Werte gemeinsam in eine Rangreihe gebracht. Dann gilt:
wobei:
- und die Stichprobenumfänge der beiden Gruppen sind
- und die Rangsummen der jeweiligen Gruppen sind
Es gilt stets:
Die Teststatistik ist .
Für große Stichproben () kann eine z-Approximation verwendet werden:
Beispiel#
Praxisbeispiel: Patientenzufriedenheit
Ein Krankenhaus möchte die Zufriedenheit von Patienten auf zwei Stationen vergleichen. Die Zufriedenheit wird auf einer Likert-Skala (1–5) erfasst – die Daten sind daher ordinal und nicht normalverteilt.
- Station A (n=25): Zufriedenheitswerte der Patienten
- Station B (n=30): Zufriedenheitswerte der Patienten
Da die Daten ordinal skaliert sind und die Normalverteilungsannahme nicht erfüllt ist, wird der Mann-Whitney-U-Test statt des t-Tests verwendet. Alle 55 Werte werden in eine gemeinsame Rangreihe gebracht, und die Rangsummen der beiden Gruppen werden verglichen.
Effektstärke#
Der Rangbiseriale Korrelationskoeffizient als Maß der Effektstärke:
Alternativ kann auch aus der z-Statistik berechnet werden:
| Effektstärke | r |
|---|---|
| Klein | 0.1 |
| Mittel | 0.3 |
| Groß | 0.5 |
Tipp: Bei signifikantem Ergebnis sollte neben dem p-Wert immer auch die Effektstärke berichtet werden. Der Mann-Whitney-U-Test hat bei Verletzung der Normalverteilungsannahme oft eine höhere statistische Power als der t-Test.
Weiterführende Literatur
- Mann, H. B. & Whitney, D. R. (1947). On a test of whether one of two random variables is stochastically larger than the other. Annals of Mathematical Statistics, 18(1), 50–60.
- Field, A. (2018). Discovering Statistics Using IBM SPSS Statistics (5. Aufl.). SAGE.