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Mann-Whitney-U-Test

Nichtparametrischer Vergleich zweier unabhängiger Gruppen

Mann-Whitney-U-Test#

Der Mann-Whitney-U-Test (auch: Wilcoxon-Rangsummentest) ist ein nichtparametrischer Test zum Vergleich zweier unabhängiger Gruppen. Er prüft, ob die Verteilungen beider Gruppen sich systematisch unterscheiden, und ist die nichtparametrische Alternative zum t-Test für unabhängige Stichproben.

Wann verwenden?#

Verwende den Mann-Whitney-U-Test, wenn du:

  • Zwei unabhängige Gruppen vergleichen möchtest
  • Die abhängige Variable mindestens ordinal skaliert ist
  • Die Normalverteilungsannahme des t-Tests verletzt ist
  • Die Stichprobe klein ist und die Verteilungsform unklar ist

Der Test basiert auf Rängen statt auf den Rohwerten und setzt daher keine bestimmte Verteilungsform voraus.

Voraussetzungen#

  • Unabhängigkeit der Beobachtungen (sowohl zwischen als auch innerhalb der Gruppen)
  • Mindestens ordinales Skalenniveau der abhängigen Variable
  • Ähnliche Verteilungsform in beiden Gruppen (für Interpretation als Medianvergleich)
  • Die Variable ist zumindest stetig genug, sodass Bindungen (Ties) selten sind

Hinweis: Streng genommen testet der Mann-Whitney-U-Test, ob ein zufällig gewählter Wert aus Gruppe 1 mit gleicher Wahrscheinlichkeit größer oder kleiner ist als ein zufällig gewählter Wert aus Gruppe 2. Nur bei ähnlicher Verteilungsform kann er als Medianvergleich interpretiert werden.

Formel#

Die U-Statistik wird für beide Gruppen berechnet. Zunächst werden alle Werte gemeinsam in eine Rangreihe gebracht. Dann gilt:

U1=n1n2+n1(n1+1)2R1U_1 = n_1 n_2 + \frac{n_1(n_1 + 1)}{2} - R_1 U2=n1n2+n2(n2+1)2R2U_2 = n_1 n_2 + \frac{n_2(n_2 + 1)}{2} - R_2

wobei:

  • n1n_1 und n2n_2 die Stichprobenumfänge der beiden Gruppen sind
  • R1R_1 und R2R_2 die Rangsummen der jeweiligen Gruppen sind

Es gilt stets: U1+U2=n1n2U_1 + U_2 = n_1 \cdot n_2

Die Teststatistik ist U=min(U1,U2)U = \min(U_1, U_2).

Für große Stichproben (n1,n2>20n_1, n_2 > 20) kann eine z-Approximation verwendet werden:

z=Un1n22n1n2(n1+n2+1)12z = \frac{U - \frac{n_1 n_2}{2}}{\sqrt{\frac{n_1 n_2 (n_1 + n_2 + 1)}{12}}}

Beispiel#

Praxisbeispiel: Patientenzufriedenheit

Ein Krankenhaus möchte die Zufriedenheit von Patienten auf zwei Stationen vergleichen. Die Zufriedenheit wird auf einer Likert-Skala (1–5) erfasst – die Daten sind daher ordinal und nicht normalverteilt.

  • Station A (n=25): Zufriedenheitswerte der Patienten
  • Station B (n=30): Zufriedenheitswerte der Patienten

Da die Daten ordinal skaliert sind und die Normalverteilungsannahme nicht erfüllt ist, wird der Mann-Whitney-U-Test statt des t-Tests verwendet. Alle 55 Werte werden in eine gemeinsame Rangreihe gebracht, und die Rangsummen der beiden Gruppen werden verglichen.

Effektstärke#

Der Rangbiseriale Korrelationskoeffizient rrbr_{rb} als Maß der Effektstärke:

rrb=12Un1n2r_{rb} = 1 - \frac{2U}{n_1 n_2}

Alternativ kann auch rr aus der z-Statistik berechnet werden:

r=zNr = \frac{z}{\sqrt{N}}
Effektstärker
Klein0.1
Mittel0.3
Groß0.5

Tipp: Bei signifikantem Ergebnis sollte neben dem p-Wert immer auch die Effektstärke berichtet werden. Der Mann-Whitney-U-Test hat bei Verletzung der Normalverteilungsannahme oft eine höhere statistische Power als der t-Test.

Weiterführende Literatur

  • Mann, H. B. & Whitney, D. R. (1947). On a test of whether one of two random variables is stochastically larger than the other. Annals of Mathematical Statistics, 18(1), 50–60.
  • Field, A. (2018). Discovering Statistics Using IBM SPSS Statistics (5. Aufl.). SAGE.