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Levene-Test

Der Levene-Test prüft die Gleichheit der Varianzen (Homoskedastizität) über zwei oder mehr Gruppen hinweg. Er ist robuster gegenüber Abweichungen von der Normalverteilung als der Bartlett-Test.

Levene-Test#

Der Levene-Test ist ein inferenzstatistisches Verfahren zur Überprüfung der Varianzhomogenität (Homoskedastizität) über zwei oder mehr Gruppen hinweg. Er testet, ob die Varianzen in verschiedenen Gruppen gleich sind — eine zentrale Voraussetzung für viele parametrische Verfahren wie den t-Test für unabhängige Stichproben oder die einfaktorielle ANOVA.

Im Gegensatz zum klassischen Bartlett-Test ist der Levene-Test deutlich robuster gegenüber Abweichungen von der Normalverteilung, weshalb er in der Praxis bevorzugt wird. Die von Brown und Forsythe (1974) vorgeschlagene Variante, die den Median statt des Mittelwerts verwendet, erhöht die Robustheit zusätzlich.

Wann verwenden?#

  • Vor der Durchführung eines t-Tests für unabhängige Stichproben, um die Annahme gleicher Varianzen zu prüfen
  • Vor einer ANOVA, um die Voraussetzung der Varianzhomogenität zu überprüfen
  • Wenn die Daten möglicherweise nicht normalverteilt sind (robuster als der Bartlett-Test)
  • Beim Vergleich der Streuung in experimentellen Gruppen
  • Als Teil einer systematischen Voraussetzungsprüfung vor parametrischen Analysen

Voraussetzungen#

  • Unabhängige Beobachtungen — keine Abhängigkeiten zwischen Gruppen oder innerhalb von Gruppen
  • Stetige abhängige Variable auf mindestens Intervallskalenniveau
  • Zufällige Stichproben aus den jeweiligen Populationen

Formel#

Der Levene-Test berechnet eine F-Statistik auf Basis der absoluten Abweichungen der Beobachtungen vom jeweiligen Gruppenzentrum:

F=(Nk)(k1)j=1knj(ZˉjZˉ)2j=1ki=1nj(ZijZˉj)2F = \frac{(N - k)}{(k - 1)} \cdot \frac{\sum_{j=1}^{k} n_j (\bar{Z}_{j\cdot} - \bar{Z}_{\cdot\cdot})^2}{\sum_{j=1}^{k} \sum_{i=1}^{n_j} (Z_{ij} - \bar{Z}_{j\cdot})^2}

Dabei sind:

  • kk die Anzahl der Gruppen
  • NN die Gesamtstichprobengröße
  • njn_j die Stichprobengröße der jj-ten Gruppe
  • Zij=xijxˉjZ_{ij} = |x_{ij} - \bar{x}_j| die absolute Abweichung vom Gruppenmittelwert (klassischer Levene-Test)
  • Zˉj\bar{Z}_{j\cdot} der Mittelwert der ZijZ_{ij} in Gruppe jj
  • Zˉ\bar{Z}_{\cdot\cdot} der Gesamtmittelwert aller ZijZ_{ij}

Brown-Forsythe-Variante: Verwendet den Median statt des Mittelwerts, d. h. Zij=xijx~jZ_{ij} = |x_{ij} - \tilde{x}_j|. Diese Variante ist robuster bei schiefen Verteilungen.

Hypothesen#

  • H₀: Die Varianzen sind in allen Gruppen gleich (σ12=σ22==σk2\sigma_1^2 = \sigma_2^2 = \ldots = \sigma_k^2)
  • H₁: Mindestens zwei Gruppen unterscheiden sich in ihrer Varianz

Die Teststatistik folgt unter H₀ einer F-Verteilung mit k1k - 1 und NkN - k Freiheitsgraden.

Beispiel#

Praxisbeispiel: Varianzprüfung bei drei Lehrmethoden

Ein Bildungsforscher möchte mit einer einfaktoriellen ANOVA untersuchen, ob sich die Prüfungsleistungen von Studierenden unter drei verschiedenen Lehrmethoden unterscheiden (Vorlesung, Seminar, E-Learning). Bevor er die ANOVA durchführen kann, muss er die Varianzhomogenität prüfen.

Die Gruppen umfassen jeweils 25 Studierende. Er führt den Levene-Test durch und erhält F(2, 72) = 1.34 mit p = 0.27. Da p > 0.05, kann die Nullhypothese der Varianzgleichheit nicht verworfen werden. Die Voraussetzung der Homoskedastizität ist erfüllt, und die Standard-ANOVA darf angewendet werden.

Hätte der Test ein signifikantes Ergebnis geliefert, wäre die Welch-ANOVA als robuste Alternative eingesetzt worden.

Effektstärke#

Für den Levene-Test gibt es kein standardmäßiges Effektstärkemaß. In der Praxis werden die F-Statistik und der p-Wert berichtet. Ergänzend kann das Varianzverhältnis als deskriptives Maß herangezogen werden:

Varianzverha¨ltnis=smax2smin2\text{Varianzverhältnis} = \frac{s^2_{\max}}{s^2_{\min}}
VarianzverhältnisInterpretation
< 2:1Varianzen annähernd gleich — unproblematisch
2:1 – 4:1Moderate Unterschiede — Vorsicht bei ungleichen Gruppengrößen
> 4:1Große Unterschiede — robuste Verfahren empfohlen

Hinweis: Wie bei allen Voraussetzungstests gilt: Bei großen Stichproben wird der Test sehr empfindlich. Bei kleinen Stichproben kann er relevante Verletzungen übersehen. Die Betrachtung des Varianzverhältnisses ist daher eine sinnvolle Ergänzung.

Weiterführende Literatur

  • Levene, H. (1960). Robust tests for equality of variances. In I. Olkin (Ed.), Contributions to Probability and Statistics (pp. 278–292). Stanford University Press.
  • Brown, M. B., & Forsythe, A. B. (1974). Robust tests for the equality of variances. Journal of the American Statistical Association, 69(346), 364–367.
  • Glass, G. V. (1966). Testing homogeneity of variances. American Educational Research Journal, 3(3), 187–190.